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Aus der Geschichte

Die Holzköhlerei ist eines der ältesten Gewerke in Neustadt am Rennsteig. Dessen einst weit verbreitetes Vorkommen ist daran zu erkennen, dass um den Ort hunderte ehemalige Meilerplätze vorzufinden sind. Nachdem Heinrich Beetz die Köhlerei an Gerhard Mordhorst weitergegeben hatte, meilerte dieser weiter. Heute ist die Köhlerei "Am Ochsenbach" die einzige noch in Betrieb befindliche Köhlerei im Ilm-Kreis und am Rennsteig und wird von der Familie Stärker aus Möhrenbach betrieben.
foto_2 Ab zirka 1700 trug die Zunderschwammherstellung maßgeblich zum Lebensunterhalt der Menschen bei. Zur "Ernte" des Zunderschwamms zogen die Neustädter mit kleinen Wagen in die Buchenwälder. Im Gepäck hatten sie leere Leinensäcke, Proviant und scharfe Messer. Der echte Zunderschwamm ist ein grauer, gedungener, hufförmiger Pilz. Er kann einen Durchmesser bis 40 cm erreichen und wächst ganzjährig an Buchen. Die Tagesausbeute der "Schwammmacher" betrug etwa einen halben Zentner.
Zu Hause angekommen, wurde der Rohschwamm in heißer Asche gegoren. Die faustgroßen Schwämme wurden in Salpeter gekocht, mit scharfen Messern in 3 cm dicke Scheiben geschnitten und getrocknet. Mit hölzernen Hämmern wurde die Masse auf einem Amboss bis auf das Zehnfache ihrer ursprünglichen Fläche geklopft. Die Lappen wurden noch einmal in Asche eingeweicht, danach getrocknet und mit den Händen weichgerieben.
Die "Lunte" war fertig und fortan unentbehrlich im Haushalt. Um den Zunder zu entfachen, wurden Feuerstein oder Feuerstahl gebraucht. Neustadts gleichmäßig brauner Zunder war begehrt. Heute würde man ihn als "Exportschlager" bezeichnen. Denn sogar die Engländer zündeten ihre "Shagpfeifen" mit hiesigem "German tinder" an. Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die Zunderfertigung im Ort den Höhepunkt.
Doch als die Phosphorzündhölzer die Lunte ersetzten, schlief die Aufbereitung des Feuerschwammes ein. Die "Schwammmacher" standen vor dem Ruin. Weil sich indes so manch Genießer seine Sumatra, Brasil oder Havanna auch weiter lieber mit dem wohlriechenden Schwamm anzünden wollte, wurden einige Zundermacher im Ort animiert, zum Schwammklopfen zurückzukehren. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg stellten die letzten Schwammklopfer Schmuckschwamm her.

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